DIE GESCHICHTE DER KOLPINGSFAMILIE URMITZ / RHEIN

 

erstellt von Albert Holbach 1985 und 1995
und Karl Bahl nach 1995

 

KOLPINGSFAMILIE URMITZ/RHEIN ist der eingetragene Name beim Kolpingwerk Deutscher Zentralverband in Köln. Ortsüblich bezeichnet sich die Urmitzer Kolpingsfamilie mit dem Namen des Pfarrpatrons "Kolpingsfamilie St.Georg Urmitz/Rhein".

Eine Vereins‑Chronik über die Gründung und den Fortbestand des Vorläufers der Kolpingsfamilie, dem Kath. Gesellenverein in Urmitz, scheint nicht mehr zu existieren, wenn es überhaupt je eine gegeben hat. Deshalb konnte eine Rekonstruktion der Anfangsgeschichte der Urmitzer Kolpingsfamilie nur in einer Gedächtniswiedergabe von noch lebenden Zeugen dieser Zeit im März 1985 für das 60‑jährige Jubiläum, vom Vorsitzenden Albert Holbach protokolliert, diese Zeit belegen. Dieses Ersatzdokument wurde dann auch für ihre Statistik vom Zentralverband des Deutschen Kolpingwerkes in Köln zu Grunde gelegt.

Wie kam es in Urmitz 1925 zur Gründung eines Katholischen Gesellenvereins?
- Gründungsmitglieder erinnerten sich. - 

Man hatte in den 20er Jahren schon viel von Adolph Kolping und seinem Gesellenverein gehört. Durch die traditionsbedingten Wanderjahre als Handwerkergeselle kam man in die größeren Städte, wo Kolpinghäuser für billig Geld Herberge und Verpflegung und vielfach auch ohne Entgeld gaben. In diesen Häusern kam man auch mit dem Kath. Gesellenverein in Berührung. Es war schon eine großartige soziale Einrichtung, das Kolpingwerk, mit seinen Kolpinghäusern und Gesellenvereinen, empfanden die Handwerkergesellen der damaligen Zeit in großer Mehrzahl. Wenn man dabei auch noch nach dem katholischen Glauben leben konnte, war das noch um so besser für den katholischen Christen. Kontakte wurden hergestellt, fremde Menschen lernten sich näher kennen; man spürte, dass es bei der familienbezogenen Führung dieses Kolpingwerkes in erster Linie um den Menschen ging und fühlte sich bald zu Hause. So gab es Kontakte von Urmitz aus zu den Gesellenvereinen der Nachbarstädte wie Koblenz, Neuwied, Engers und auch Mayen, erinnerte sich Altbürgermeister Peter Häring, der als Schlossergeselle einer der Gründungsmitglieder des Kath. Gesellenvereins in Urmitz ist. Er erinnerte sich an einen sehr aktiven Kolpingbruder des Koblenzer Gesellenvereins, an den späteren Landrat Jost, der öfters nach Urmitz kam, um die Gründung eines Kath. Gesellenvereins vorzubereiten.

So kam es zur Gründung eines Kath. Gesellenvereins im Jahre 1925. Fünfzehn  junge Handwerkergesellen waren es, die sich dem Kolpingwerk in Köln anschlossen. Dieses beurkundeten die Gründungsmitglieder am 14. März 1985:

Maurermeister Jakob Helf, geboren am 05.10.1907; Werkmeister und Altbürgermeister Peter Häring, geboren am 24.01.1908; Bäckermeister Karl Schütz, geboren, am 19.07.1904, er war seit 1918 Mitglied des Kath. Gesellenvereins Mayen, verzog aber 1931 aus Heiratsgründen nach Urmitz und konnte, wie die beiden vorgenannten, da er schon 1925 Kontakte zu Urmitz hatte, die Gründungszeit 1925 noch gut aus seinem Gedächtnis bestätigen. Die genannten Gründungsmitglieder erinnerten sich besonders gut an den Gründungstag 1925 im kleinen Sälchen im Josefsaal in Urmitz. Der erste Präses war Pastor Joseph Uthoff, von 1921-1938 Pastor in Urmitz. Der Schlosser Johann Rünz (Walds Johann) wurde erster Senior des Kath. Gesellenvereins in Urmitz, verzog aber wenige Jahre nach der Gründung nach Mülheim und verstarb dort sehr jung. Sein Nachfolger als Senior wurde der Zimmermann Peter Höfer. Er war bis zu seinem Tode mehr als 50 Jahre Kolpingmitglied in Urmitz. Altbürgermeister Peter Häring zeigte vier Bilder von einem Führungskurs, an dem er 1928 im Kolpinghaus in Kerpen teilnahm.

So konnte das Gründungsjahr glaubhaft beim Kolpingwerk in Köln belegt werden. In einem Schreiben vom Kolpingwerk Deutscher Zentral­verband vom 21.03.1985 schreibt Zentralsekretär Dr. Michael Hanke es so: "Die beigebrachten Belege über die Gründung der Kolpingsfamilie in Urmitz sind ja hieb- und stichfest."

Der Generalpräses des Deutschen Kolpingwerkes Prälat Heinrich Festing, schreibt am 22.03.1985 an den Vorsitzenden Albert Holbach: "Am 25.05.1985 könnt ihr Euer 60‑jähriges Jubiläum feiern. Dazu möchte ich Euch persönlich und auch im Namen des Zentral­verbandes die herzlichsten Glück- und Segenswünsche aussprechen".

Wie ging die Geschichte des Kath. Gesellenvereins in Urmitz weiter? Durch aktive Kolpingarbeit nahm der Kath. Gesellenverein an Mitgliedern zu. Die Mitgliederzahl blieb aber sehr schwankend. Es war das Los der Zeit, dass die Gesellen oft den Berufsort und den Wohnsitz wechselten, auch aus Heiratsgründen. Dadurch gab es viele Austritte. Der Mitgliederbestand konnte bis zur Nazizeit bei 20 gehalten werden.

Doch mit der Nazizeit wurde Druck auf die katholischen Vereine ausgeübt. Man presste die Arbeiter und Handwerker in die "Nationalsozialistische Arbeitsfront" und erließ das Verbot der Doppelmitgliedschaft, wonach niemand zugleich Mitglied der Arbeitsfront und eines religiösen Vereins sein durfte. Dadurch wurde die Existenz der Kath. Gesellenvereine lebensbedrohlich gefährdet. Um dieses Gesetz zu umgehen, vor allem aus Existenzgründen, änderte deshalb die Zentralleitung des Kolpingwerkes den Namen "Gesellenverein" in "Deutsche Kolpingsfamilie".

Dann kam es doch so, dass das junge Leben der Kolpingsfamilie Urmitz/Rhein, bedingt durch den Gegendruck in der Nazizeit mit Beginn des 2. Weltkrieges unterbrochen wurde. Präses und Pastor in Urmitz war in dieser Zeit von 1938 bis 1947 Pastor Heinrich Mühlenheinrich. Man weiß nicht, wie lange Pastor Mühlenheinrich noch Präses der Kolpingsfamilie Urmitz/Rhein sein durfte, so berichteten die erwähnten Gründungsmitglieder.